Ich zu Gast bei Explorism

Ich war zu Gast in der vierten Folge von Matthias Fromms Podcast “Explorism“: Logo des Podcasts Explorism
Berufsbildung und Teilhabe am Gemeinwesen für behinderte Menschen, mit Stefan Thesing (Explorism004)

3 Gedanken zu „Ich zu Gast bei Explorism

  1. Moin Stefan!

    Noch einmal herzlichen Dank für die auskunftsfreudige Unterhaltung. Mir hat’s wirklich Spaß gemacht einen Einblick in ein mir derart unbekanntes Gebiet zu bekommen.

    Ich hoffe, dass es auch noch ein wenig Resonanz gibt, denn ich fand die Folge gelungen.

    Cheers,
    Matthias

  2. Hallo Stefan,

    durch Zufall bin ich auf den Podcast von Matthias Fromms mit eurem Interview aufmerksam geworden, der Titel hat mich neugierig gemacht.
    Nun, ich habe es komplett gehört und es hat sich gelohnt!

    Ich darf täglich Menschen begegnen die mit Behinderungen leben, darf mich mit ihnen freuen, mit ihnen Leid ertragen, sie Begleiten und von ihnen lernen. Zusammen mit einem bunten Trupp von Menschen, die aus verschiedenen Ländern kommen, die zum Teil einen kleineren oder größeren Hilfebedarf haben, die jung oder etwas älter sind, die auf jeden Fall Grund verschieden sind, lebe ich auf einem großen Bauernhof. Wir bestellen einen großen Garten, haben verschiedene Tiere, und eine Kreativ-Werkstatt. Wer es kann und spass daran hat, arbeitet draußen, wer es lieber warm und trocken um sich herum hat kocht, pflegt die Wäsche oder ist in der Kreativ-Werkstatt kreativ. Sozusagen nebenbei haben wir ein kleines Café, welches sich mehr und mehr zu einem Magneten entwickelt und immer mehr Menschen anzieht.
    Das ist also kurz umrissen das “Setting” auf das Deine Gedanken treffen.

    “Bildung schafft Teilhabe!” diese kurze Formel die Du aufgestellt hast, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich will versuchen hier kurz meine Gedanken zusammen zu fassen, vielleicht können wir dann in einen interessanten Austausch kommen.
    Was ist Teilhabe? Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an dem was “der Durchschnitt” tut? Teilhabe an dem verrückten Miteinander, welches eher ein Nebeneinander ist, in dem Leistung und Wirtschaftlichkeit ganz vorne stehen? Oder Teilhabe als Anerkennung des So-Seins des Gegenübers, als ehrliches Interesse am Anderen inklusive seinem Anderssein? DIe Fragen sollen nicht speziell an Dich gerichtet sein, mehr an mich und die Welt im Großen und Ganzen….
    Mit der UN-Konvention im Hinterkopf verbinde ich den Begriff “Teilhabe” auch direkt mit dem Begriff “Selbstbestimmung”. Selbstbestimmung ist ein Thema, mit dem ich jeden Tag fragend umgehe. Wie kann ich Menschen, die kognitiv stark eingeschränkt sind, die sich kaum oder nicht äußern, möglichst viel Selbstbestimmung ermöglichen? Und wie sieht es mit Menschen aus, die die Folgen ihres Handelns nur bedingt einschätzen können und sich auch durch Gespräche darüber, keine Vorstellungen bilden können?
    Natürlich gibt es dazu mehr als nur eine Antwort und vermutlich nie die richtige, trotzdem scheint es mir ungeheuer wichtig die Frage aufzuwerfen, weil Selbstbestimmung im Alltag eben noch nichts selbstverständliches ist.

    Ich arbeite hauptsächlich mit Menschen, die mit sog. schwerstmehrfach Behinderungen leben, zusammen. Mir fällt auf, das im alltäglichen Zusammensein die Behinderung ansich immer mehr in den Hintergrund tritt. Ein Mensch braucht gewisse Dinge, vielleicht eine bestimmte Pflege, in verschiedenen Punkten besondere Aufmerksamkeit oder irgendwelche Hilfsmittel. Aber das gehört eben zu ihm als Mensch.
    Wenn ich von diesem Standpunkt aus schaue, wie Menschen, die zu uns zu besuch kommen, auf Begegnungen mit ihnen vielleicht unbekannten und etwas besonderen Menschen, reagieren, fällt es mir schwer an Teilhabe zu glauben. MItleid, Angst, Unsicherheit und andere Gefühle führen zu Versteifung der Begegnung, zu einem Auf-den-Anderen-herabsehen, oder verhindern eine Begegnung gleich von vorneherein. Die Behinderungen gehört nicht dazu, sie steht im Mittelpunkt, wird bemittleidet oder versucht wegzudiskutieren, beides ohne Erfolg.
    Oft hat in einer solchen Begegnung der Besuch mehr Begleitung nötig als der Mensch der behindert wird. Aber wie stelle ich das an? Wie können Menschen lernen, als und mit Menschen zu leben?

    Jetzt habe ich einen langen Text geschrieben, der ursprünglich nur ein Interesse am Austausch über die im Interview angesprochenen Themen signalisieren sollte. Meine Begeisterung hat mich wohl mitgerissen…..

    Ich würde mich über eine Reaktion freuen
    mit herzlichem Gruß
    Maria

  3. Tja der Teilhabebegriff (oder besser: der Partizipationsbegriff) ist auch genau der Teil, der dafür sorgt, dass mein unfertiges Bildungskonzept noch unfertig ist.
    Der ist leider auch in sehr ausgefeilten Konzepten wie der ICF noch sehr schwammmig, da gibt es noch eine Menge zu tun.

    Vielen Dank für Dein Kommentar. Schön, dass Dir das Gespräch zwischen Matthias und mir gefallen hat. Gib ihm doch auch Feedback dazu. Podcaster brauchen viel Liebe 🙂

Kommentar verfassen